{"id":39,"date":"2018-04-12T09:36:49","date_gmt":"2018-04-12T09:36:49","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--pflanzlich-entwssern-pzb.de\/?p=39"},"modified":"2018-04-12T09:36:49","modified_gmt":"2018-04-12T09:36:49","slug":"spargel-entwaessern-mit-koestlichem-gemuese","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/xn--pflanzlich-entwssern-pzb.de\/?p=39","title":{"rendered":"Spargel &#8211; Entw\u00e4ssern mit k\u00f6stlichem Gem\u00fcse"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Spargel &#8211; Entw\u00e4ssern mit k\u00f6stlichem Gem\u00fcse<\/strong><\/h2>\n<h6>von Christina Paulson, Aachen<\/h6>\n<p>Jetzt ist Spargelzeit. Die leckeren und gesunden Sprossen sprie\u00dfen aus den sandigen B\u00f6den. Ob wei\u00df oder gr\u00fcn: Viele lieben beide Sorten. \u00dcberlieferungen zufolge sollen im alten \u00c4gypten die hellen Stangen als &#8222;G\u00f6tterspeise&#8220; den Pharaonen vorbehalten gewesen sein. Die \u00e4lteste in Europa bekannte schriftliche Erw\u00e4hnung des Spargels stammt von Hippokrates (460 bis 370 v. Chr.). Der ber\u00fchmte Grieche betont \u00fcberraschenderweise die stopfende Wirkung \u2013 wahrscheinlich der Wurzel. Auch die harntreibende Wirkung des Spargels war dem griechischen Arzt bekannt. Im \u00f6stlichen Mittelmeergebiet ist der d\u00fcnnst\u00e4ngelige Dornenspargel (Asparagus acutifolius) heimisch. Er w\u00e4chst dort wild auf steinigen warmen, schwach feuchten B\u00f6den. Dornenspargel schmeckt leicht bitter und kr\u00e4ftiger als der in Europa eher bekannte Kulturspargel Asparagus officinalis. Der Gattungsname Asparagus stammt aus dem Griechischen und bedeutet &#8222;junger Trieb&#8220;.<\/p>\n<p>Wohlhabende R\u00f6mer sch\u00e4tzten die Spargelstangen bereits im 2. Jahrhundert vor Christus. Sie waren Delikatesse und Aphrodisiakum zugleich. Aus dieser Zeit stammt die erste schriftliche Anleitung f\u00fcr den Spargelanbau: Marcus Porcius Cato (234 bis 149 v. Chr.) beschrieb sie in seinem Werk &#8222;De Agricultura&#8220;. Im 1. Jahrhundert nach Christus pries der r\u00f6mische Milit\u00e4rarzt Dioskurides in seinem Buch &#8222;De materia medica&#8220; den Spargel als Heilmittel bei Erkrankungen der Harnwege, der Milz und der Leber. Frauen riet er zum Schutz vor Schwangerschaft, ein Spargel-Amulett zu tragen.<\/p>\n<p>Wer den Spargel \u00fcber die Alpen nach Mitteleuropa brachte \u2013 die R\u00f6mer, Benediktinerm\u00f6nche oder zur\u00fcckkehrende Kreuzfahrer \u2013, dar\u00fcber gibt es unterschiedliche Angaben. In jedem Fall galt er ab dem Sp\u00e4tmittelalter auch in Deutschland als Heilpflanze; die M\u00f6nche hegten und pflegten ihn in ihren Klosterg\u00e4rten.<\/p>\n<p>In der &#8222;Leipziger Drogenkunde&#8220; aus der ersten H\u00e4lfte des 15. Jahrhunderts sind die Spargelsprossen und Samen als Arzneimittel &#8222;gegen die Verstopfung der Milz und der Leber, gegen Harnzwang und Harnverhalten sowie gegen Magen- und Darmschmerzen&#8220; erw\u00e4hnt. Ende des 18. Jahrhunderts galten die Sprossen als Mittel zur &#8222;Blutreinigung&#8220; und Hilfe bei rheumatischen Beschwerden. Allerdings d\u00fcrfte diese Arznei nur f\u00fcr Wohlhabende erschwinglich gewesen sein. Als wirksame Dosis galt ein Pfund Spargelgem\u00fcse t\u00e4glich, und Spargel war auch damals schon teuer. Als Nahrungsmittel spielte er wegen seines geringen Kaloriengehalts f\u00fcr die k\u00f6rperlich schwer arbeitenden Menschen keine Rolle.<\/p>\n<p>Erste Hinweise auf gro\u00dffl\u00e4chige Spargelkulturen in Deutschland zun\u00e4chst wohl nur an den F\u00fcrstenh\u00f6fen Deutschlands, Englands und Frankreichs gro\u00dfer Beliebtheit. Sicherlich auch gef\u00f6rdert durch die aphrodisierende Wirkung, die man ihm nachsagte. So gab der deutsche Arzt und Botaniker Jakobus Theodorus Tabernaemontanus (1520 bis 1590) in seinem 1588 erschienenen Kr\u00e4uterbuch folgenden Ratschlag: &#8222;Nimb Spargenwurtzel und Pfefferk\u00fcmmel, jedes gleich viel. Sto\u00df diese beyde zu einem subtielen Pulver, und gibt darvon eins quintleins schwer mit f\u00fcrnem wein zu trincken, es hilfft bald. Gemeldte Arzeney f\u00fcrdert auch die ehelichen Werck&#8220;.<\/p>\n<h3>Der Anbau macht den Unterschied<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"bildrechts alignleft\" title=\"Gr\u00fcner und wei\u00dfer Spargel\" src=\"http:\/\/www.gruenwalder.de\/assets\/gruenwalder\/images\/Pflanzen\/spargel_gruen_und_weiss-trans.png\" alt=\"Ein Bund gr\u00fcner Spargel und wei\u00dfer Spargel\" \/><\/p>\n<p>Den Zeichnungen und Gem\u00e4lden zu Beginn des 17. Jahrhunderts zufolge bauten die G\u00e4rtner und Bauern zu jener Zeit vornehmlich Gr\u00fcnspargel an. Die Farbe der Spargelstangen ist allerdings kein Sortenmerkmal, sondern h\u00e4ngt von der Art des Anbaus ab: Solange die fingerdicken Spargelsprosse unterirdisch wachsen, sind sie wei\u00df. Die hellen Stangen m\u00fcssen die Spargelbauern stechen, bevor der Trieb die Erdoberfl\u00e4che durchbricht. Den richtigen Zeitpunkt erkennen sie daran, dass sich in den glatt gestrichenen und fest angedr\u00fcckten Sandw\u00e4llen feine Risse zeigen. Die Spargelspitzen sind wegen der enthaltenen Anthozyane oft violett gef\u00e4rbt. Sobald der Spargel aus der Erde w\u00e4chst, bildet sich Chlorophyll und die Stangen f\u00e4rben sich gr\u00fcn. Spargel, der gr\u00fcn geerntet werden soll, kann daher in flachen Beeten angebaut werden. In der Kultur braucht der Spargel leichte, gering humose, durchl\u00e4ssige Sandb\u00f6den.<\/p>\n<p>Der gr\u00fcne Spargel ist n\u00e4hr- und mineralstoffreicher und schmeckt intensiver als der wei\u00dfe. Er enth\u00e4lt vor allem Magnesium, Kalium, Vitamin C und Fols\u00e4ure. Wegen seines geringen Kaloriengehalts und des hohen Anteils an faserigen Ballaststoffen und Wasser (94 Prozent) sch\u00e4tzen ihn figur- und gesundheitsbewusste Menschen. Auch f\u00fcr Diabetiker ist er ein ideales Gem\u00fcse.<\/p>\n<p>Einige N\u00e4hrwerte des rohen, wei\u00dfen gesch\u00e4lten Spargels:<\/p>\n<ul>\n<li>Gehalt in 100 g<\/li>\n<li>Energie: 17 kcal\/71 kJ<\/li>\n<li>Wasser: 94 g<\/li>\n<li>Kohlenhydrate: 1,9 g<\/li>\n<li>Eiwei\u00df: 1,9 g<\/li>\n<li>Fett: 0,1 g<\/li>\n<li>Ballaststoffe: 1,8 g<\/li>\n<li>Vitamin C: 21,0 mg<\/li>\n<li>Fols\u00e4ure: 0,1 mg<\/li>\n<li>Kalium: 207 mg<\/li>\n<li>Magnesium: 20 mg<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Harntreibende Saponine<\/h3>\n<p>F\u00fcr die harntreibende Wirkung des Spargels sind die im holzigen Wurzelstock enthaltenen Saponine und die Kaliumsalze verantwortlich. Daher ist die im Herbst ausgegrabene, getrocknete und zerkleinerte Wurzel (Asparagi radix, Asparagerhizoma) Bestandteil entw\u00e4ssernder Tees und einiger Fertigarzneimittel (zum Beispiel <a title=\"Asparagus P mit Spargel und PEtersilie\" href=\"http:\/\/www.gruenwalder.de\/Produkte\/Asparagus-p\/\">Asparagus-P<sup>\u00ae<\/sup><\/a>). \u00c4rzte verordnen sie zur Durchsp\u00fclungstherapie bei entz\u00fcndlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, bei Reizblase und zur Vorbeugung gegen Nierengrie\u00df. Die Tagesdosis betr\u00e4gt 45 bis 60 g getrocknete Droge. Da diese Menge mit einem Teeaufguss kaum zu erreichen ist, wird die Spargelwurzel mit st\u00e4rker entw\u00e4ssernden Drogen wie Brennnessel- oder Petersilienwurzel gemischt. Au\u00dferdem sollten Patienten mit einer Harnwegsinfektion zus\u00e4tzlich zwei bis drei Liter Wasser pro Tag trinken.<\/p>\n<h3>Nichts f\u00fcr Gichtkranke<\/h3>\n<p>Die im Spargel enthaltenen Saponine k\u00f6nnen die Nieren reizen. Patienten mit entz\u00fcndlichen Nierenerkrankungen oder \u00d6demen als Folge einer Herz- oder Niereninsuffizienz sollten keine Spargelpr\u00e4parate einnehmen. Chronisch Nierenkranke sollten daher Spargel nur mit Vorsicht genie\u00dfen. Dies gilt ebenso f\u00fcr Menschen mit erh\u00f6hten Harns\u00e4urewerten, besonders Gichtkranke. Spargel enth\u00e4lt etwa 25 mg Purine in 100 g, die im K\u00f6rper zu Harns\u00e4ure abgebaut werden.<\/p>\n<p>Verantwortlich f\u00fcr den typischen milden Spargelgeschmack ist unter anderem das Vanillin. Den eher unangenehmen Geruch des Urins nach Spargelgenuss verursacht die fl\u00fcchtige Schwefelverbindung Methylmercaptan, ein Abbauprodukt der schwefelhaltigen Asparaguss\u00e4ure.<\/p>\n<p>Die Spargelsaison endet am Johannistag, dem 24. Juni. Dann hei\u00dft es im Volksmund: &#8222;Kirschen rot, Spargel tot.&#8220; Nach diesem Datum lassen die Spargelbauern die Sprosse zu meterhohen Trieben auswachsen. Sie entwickeln sich b\u00e4umchenartig mit vielen feinen d\u00fcnnen Zweigen. Die oberirdischen Pflanzenteile sorgen daf\u00fcr, dass das Rhizom Reservestoffe speichern und im folgenden Jahr neue Sprosse treiben kann.<\/p>\n<p>Die kleinen Bl\u00fcten erscheinen im Juli. Sie sind eingeschlechtlich, bis 7 mm lang, gl\u00f6ckchen-f\u00f6rmig und gr\u00fcn-wei\u00df. Aus den weiblichen Bl\u00fcten entwickeln sich im August ziegelrote Beeren, die wenig giftige Steroidsaponine enthalten. Erst der Verzehr gr\u00f6\u00dferer Mengen f\u00fchrt zu Erbrechen und Bauchschmerzen. Empfindliche Menschen reagieren bei Hautkontakt, zum Beispiel beim Spargelsch\u00e4len, allergisch. Verursacher sind die schwefelhaltigen Verbindungen der Spargelsprossen. Neben der so genannten &#8222;Spargelkr\u00e4tze&#8220; reagieren manche Allergiker vereinzelt auch mit Heuschnupfen oder Asthmaanf\u00e4llen auf das feine Gem\u00fcse.<\/p>\n<pre>Adresse der Verfasserin: \r\n\r\nDr. Christina Paulson\r\nKantstra\u00dfe 26\r\n52078 Aachen<\/pre>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spargel &#8211; Entw\u00e4ssern mit k\u00f6stlichem Gem\u00fcse von Christina Paulson, Aachen Jetzt ist Spargelzeit. Die leckeren und gesunden Sprossen sprie\u00dfen aus den sandigen B\u00f6den. Ob wei\u00df oder gr\u00fcn: Viele lieben beide Sorten. \u00dcberlieferungen zufolge sollen im alten \u00c4gypten die hellen Stangen als &#8222;G\u00f6tterspeise&#8220; den Pharaonen vorbehalten gewesen sein. 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